VHV-Versicherung – Ein neuer Stern am Himmel der Honorar-Trittbrettfahrer

Auch wenn einige (wenige) Richter immer noch etwas „herumzicken“ und rechtswidrige Begründungen schreiben – die Messe beim Streit um das Sachverständigenhonorar ist inzwischen sowas von gelesen. Nichtzuletzt durch das aktuelle BGH-Urteil VI ZR 225/13 wurde wieder bestätigt, dass die Überprüfung der „Angemessenheit“ des SV-Honorars im Schadensersatzprozess nichts zu suchen hat. Thema ist einzig und allein die „Erforderlichkeit“. Die Überprüfung der „Angemessenheit“ einer Leistung ist im Streitfalle bestenfalls eine Frage des Werkvertragsrechtes.

Nach aktueller BGH-Rechtsprechung ist der Schädiger (und nur der)  in der Beweispflicht, ob der Geschädigte sich möglicherweise falsch bzw. unwirtschaftlich verhalten hat. Auch die Urteile VI ZR 67/06 sowie VI ZR 471/12 und VI ZR 528/12 sprechen hierzu eine eindeutige Sprache. Der Geschädigte genügt seiner Darlegungs und Beweispflicht durch Vorlage der Rechnung eines Fachmannes.

Die HUK-Coburg Versicherung hatte in den letzten 15-20 Jahren Sachverständigenhonorare willkürlich und flächendeckend gekürzt. In der rechtlichen Auseinandersetzung hat die HUK dann nahezu alles verloren, was es zu verlieren gibt – einschließlich der oben zitierten BGH-Urteile (siehe auch CH-Urteilsliste). Vermeintliche Erfolge, wie z.B. Urteile des LG Coburg, des LG Saarbrücken oder auch das aktuelle Urteil des OLG Dresden werden durch die BGH-Rechtsprechung ins Reich der Fabel verwiesen. Dass durch irrwitzige Aktionen – wie ein jahrzehntelanger erfolgloser Honorarkrieg gegen Kfz-Sachverständige – der Ruf eines Versicherers letztendlich vollständig ramponiert wird, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung? Aber wie heißt es so schön in der Analogie?

Ist der Ruf erst ruiniert, dann kürzt es sich recht ungeniert

Das scheint wohl das Motto dieser Versicherung zu sein,wenn man die anderen Kürzungsbestrebungen beim Schadensersatz betrachtet? Mit allen Mitteln wird versucht, Geschädigte auf die eine oder andere Art „über den Tisch zu ziehen“.

An diesem garantierten „(Miss)Erfolg der HUK“ wollen andere Versicherer nun offenbar auch teilhaben? So zumindest kann man aus einem aktuellen Schreiben der VHV-Versicherung schlussfolgern, bei dem die gleiche Masche wie bei der HUK nun zum Einsatz kommt. Inhaltlich entspricht es in etwa den Schreiben der HUK-Coburg, so dass man ggf. eine „Zusamenarbeit“ mit der HUK mutmaßen kann, da ja auch bei den „Partnerwerkstätten“ ein Kooperation gepflegt wird?
Möglicherweise war man aber nur zu faul ein eigenes Schreiben zu entwerfen und hat das HUK-Schreiben nur teilweise „abgekupfert“? Dann kann man für die VHV nur hoffen, dass die HUK keine Urheberrechte anmeldet?

Hier nun das Schreiben vom 07.04.2014 an einen Sachverständigen:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir bearbeiten den Schaden unter der oben rechts stehenden Schadennummer. Bitte geben Sie uns diese immer an.

Ihre Korrespondenz senden Sie bitte an folgende Adresse:
VHV Allgemeine Versicherung AG, 30138 Hannover.
Die Abrechnung des Schadens nehmen wir wie folgt vor:
Sachverständigengebühren                                                                    370,36 EUR
Die Zahlung erfolgt per Überweisung.

Ihre Rechnung haben wir nur teilweise ausgeglichen, da das Honorar nach unserer Auffassung den zur Schadenbeseitigung erforderlichen Kostenaufwand Übersteigt (Paragraph 249 Abs. 2 BGB).

Es können nur die Kosten erstattet werden, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen (BGH vom 23.01.2007; Az. VI ZR 67/06).

Dabei ist der Geschädigte grundsätzlich nicht zur Marktforschung nach einem möglichst preisgünstigen Sachverständigen verpflichtet. Allerdings verbleibt für ihn damit das Risiko, dass er ohne nähere Erkundigungen einen Sachverständigen beauftragt, dessen Kosten die Grenzen des zur Wiederherstellung Erforderlichen überschreiten.

Für das Einholen näherer Erkundigungen ist insoweit der Geschädigte oder, nach Abtretung, dessen Rechtsnachfolger darlegungs- und beweispflichtig. Hierzu wurde bislang nichts vorgetragen, so dass wir nicht beurteilen können, inwieweit dem aus Paragraph 249 BGB folgendem Wirtschaftlichkeitsgebot genügt wurde.

Ohne entsprechende Informationen hierzu muss es bei der bisherigen Abrechnung bleiben.

Der Rechnungsbetrag einschl. MwSt lag bei EUR 472,43 (Kürzungsbetrag = EUR 102,07).

Was ist zu tun, wenn man Schreiben wie diese von einem gegnerischen Versicherer erhält?

Nach ungerechtfertigten Kürzungen schließen wir in der Regel die Akte mit der Versicherung und nehmen den Schädiger (Unfallverursacher) direkt in Anspruch. Dies zuerst mit einem freundlichen Anschreiben mit der Bitte um Ausgleich der Restforderung unter Fristsetzung bis zum … unter Beilage der aktuellen BGH-Rechtsprechung. Für den Fall, dass kein außergerichtlicher Ausgleich erfolgen sollte, erhält der Unfallgegner einen Mahnbescheid, den jeder Sachverständige selbst oder ggf. die Sekräterin online ausfüllen kann. Sofern Widerspruch gegen den Mahnbescheid eingelegt wird, erfolgt ein Klageverfahren gegen den Unfallgegner. In diesem Fall also gegen den Versicherungsnehmer der VHV-Versicherung.

Diese Strategie erhöht den Druck auf den zahlungsunwillgen Versicherer ungemein und „beschleunigt“ oftmals die außergerichtliche Regulierung. Außerdem erfährt der Unfallgegner, bei welcher „Holzkasse“ er versichert ist. In den Anschreiben an den VN der Versicherung weisen wir regelmäßig daraufhin, dass stets die direkte Inanspruchnahme bei allen Schadenspositionen im Raume steht. Also nicht nur beim gekürzten Sachverständigenhonorar in „lächerlicher Höhe“ von vielleicht 50, 80 oder 100 Euro. Das Gleiche kann dem Versicherten auch passieren, sofern seine Versicherung z.B. beim Sachschaden, Schmerzensgeld, Haushaltsführungsschaden usw. die Regulierung „verkürzt“. Da sind dann vielleicht 20.000, 50.000, 100.000 oder auch mehr Euro fällig, die der Geschädigte, z.B. bei seinem (vermögenden) Unfallgegner, dann direkt beitreibt.

Ein Versicherer, der bereits bei Kleinstbeträgen mit massiven Mitteln versucht, sich um die Schadensregulierung zu drücken, dürfte bei der Regulierung „größerer Brocken“ für den Versicherungsnehmer so richtig „gefährlich“ werden?

Desolate Regulierungsqualiät einer Haftpflichtversicherung könnte im Extremfall  bis zum Verlust des Eigenheimes oder sogar zum Verlust der gesamten Existenz führen? Das ist den meisten Versicherten in der Regel wohl überhaupt nicht bewusst? In Sachen „Aufklärung“ sind wir deshalb immer gerne behilflich.

Billig versichert zu sein kann den Versicherten am Ende teuer zu stehen kommen!

Das ist dann meist auch der Schlusssatz unserer Textbaustein-Anschreiben an die Schadenverursacher.

NACHTRAG:

Hier ein beispielhaftes Schreiben an einen VN der VHV Versicherung, das man durchaus als Musterschreiben verwenden kann:

Sehr geehrte(r) …,

ich nehme Bezug auf den o.a. Kfz-Haftpflichtschaden.
In der gegenständlichen Schadensache wurde mein Sachverständigenhonorar durch Ihre Haftpflichtversicherung leider nicht vollständig ausgeglichen.

Die Rechnung belief sich auf EUR 400,00 – bezahlt wurden jedoch nur EUR 330,00 (Anlage – Rechung Nr. xxx/14 vom xx.02.2014, Abtretungserklärung vom xx.02.2014 sowie Abrechnungsschreiben der VHV Versicherung vom xx.04.2014).

Das Sachverständigenhonorar einschl. Nebenkosten wurde ordnungsgemäß liquidiert, was Sie unschwer der beigelegten Honorarbefragung des BVSK entnehmen können.
Der Schaden bei Ihrem Unfallgegner belief sich auf EUR 1.100,00 incl. MwSt.
In Anbetracht der Tatsache, dass ich aber weder an die Honorarbefragung des BVSK noch an irgend eine andere Honorarliste gebunden bin und mein Honorar, aufgrund eigener Betriebskalkulationen, selbst bestimmen kann (freie Marktwirtschaft), ist der Abzug nicht gerechtfertigt.

Weitere Informationen zum Sachverständigenhonorar können Sie auf der Internetseite www.captain-huk.de entnehmen. Insbesondere empfehle ich das Studium der BGH-Urteils VI ZR 67/06 vom 23.01.2007 sowie BGH VI ZR 225/13 vom 11.02.2014 (Anlage). Aus diesen Entscheidungen geht eindeutig hervor, dass der Abzug durch Ihre Versicherung gegen Recht und Gesetz erfolgt ist!

Ob es sich bei dem Verhalten Ihres Versicherers um eine Strategie zur “Gewinnmaximierung” handelt, oder nur um “fehlende Mittel” zur ordnungsgemäßen Schadensregulierung, kann ich von hier aus nicht beurteilen?

Als Schadenverursacher sind Sie – genau wie Ihre Versicherung – in der Pflicht, für eine ordnungsgemäße Regulierung des Schadens zu sorgen. Sofern eine Haftpflichtversicherung den Pflichten aus dem Versicherungsvertrag (= vollständige Regulierung des Schadens) nicht nachkommt, hat natürlich der Schadenverursacher selbst für den Ausgleich zu sorgen.

Demzufolge bitte ich zum Ausgleich der Restforderung in Höhe von EUR 70,00 auf untenstehendes Konto bis zum xx.04.2014.

Versicherte vertreten des Öfteren die Auffassung, man sei nicht zuständig, da man ja dafür versichert sei. Hierbei handelt es sich jedoch um einen fatalen Trugschluss. Die Haftung – mit allen Konsequenzen – bleibt stets beim Unfallverursacher. Das Vertrauen in eine Versicherung kann ohne Weiteres bitter enttäuscht werden. Beispiele hierzu gibt es jede Menge in den Medien.
Bei einem größeren Schaden, z.B. mit Schwerverletzen, kann es deshalb durchaus passieren, dass man “Haus und Hof” oder sogar die gesamte Existenz verliert, sofern die eigene Versicherung die Zahlung verweigert oder verkürzt.

Sofern eine Versicherung schon bei “lächerlichen” 70 Euro rechtswidrig kürzt, würde ich mir über die Regulierungspraxis bei möglichen “Großschäden” ernsthafte Gedanken machen.

Eine gute und leistungsfähige Kfz-Haftpflichtversicherung gehört demzufolge zur “Grundausstattung” eines verantwortungsvollen Autofahrers.

„Billig“ versichert zu sein kann den Versicherten am Ende teuer zu stehen kommen!

Für weitere Erläuterungen stehe ich stets gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Den Brief kann man auch in der Menüleiste rechts abrufen unter:

Vorlagen – Musterbriefe

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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