HUK Coburg macht nun offensichtlich Ernst und kürzt rechtswidrig die Kosten der freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen pauschal auf 280,00 Euro incl. MwSt

Im Beitrag vom 27.01.2017 hatten wir darüber berichtet, dass die HUK Coburg Schreiben an Geschädigte versendet, mit denen man Geschädigte unter Druck setzt, indem seitens der HUK auf „Kfz-Sachverständige“ verwiesen wird, die Sachverständigengutachten – unabhängig von der Schadenshöhe – angeblich für einen Pauschalbetrag von EUR 280,00 Brutto (all inclusive) anbieten. Dieser Betrag solle nach den Ausführungen der HUK auch bei unklarer Haftungsquote vollständig erstattet werden. Wer andere Kfz-Sachverständige beauftrage, verstoße ggf. gegen die Schadensminderungspflicht => rechtswidriger Eingriff in den Wettbewerb.

Wie wir inzwischen erfahren haben, wehren sich einige der von der HUK benannten KFZ-SV-Büros gegen diese Schreiben der HUK, da sie angeblich mit der von der HUK benannten“Organisation“ SV-Net in keinerlei vertraglicher Verbindung stehen und auch nicht zu deren Konditionen arbeiten. Wie man so hört, sollen entsprechende Unterlassungsverfahren gegen die HUK laufen. Inwieweit die Berner GmbH – Anbieter der SV-Net – in die Unterlassung eingebunden wurde, ist derzeit (noch) nicht bekannt. Demzufolge handelt die HUK rechts- und wettbewerbswidrig, sofern sie in ihren Schreiben an Geschädigte Kfz-Sachverständigenbüros bewirbt, die eben nicht für pauschale Kosten in Höhe von 280 Euro arbeiten. Des weiteren handelt es sich bei den „Angeboten“ der Fa. Berner GmbH wohl um Sonderkonditionen für Versicherer. Sonderkonditionen sind jedoch kein schadensersatzrechtlicher Maßstab (BGH VI ZR 53/09 vom 20.10.2009).

Berner-Zitat:

„Als bundesweite Sachverständigenorganisation arbeiten wir Hauptsächlich für Versicherungen und Fuhrparks. Durch das SV-Net System können wir die Kosten minimieren so dass wir unseren Auftraggebern ein überdurchschnittlich gutes Preis Angebot unterbreiten können.“

Trotzdem hindert es die HUK offensichtlich nicht daran, die Kosten anderer Kfz-Sachverständiger auf genau diesen Betrag zu kürzen, obwohl die dort von der HUK benannten Sachverständigen (der SV-Net) sich inzwischen gegen eine Nennung duch die HUK wehren.

Hier ein aktuelles Schreiben der HUK:

Saarbrücken, 08.02.2017

Sehr geehrter Herr …

wir möchten Sie informieren, dass wir an

einen Betrag in Höhe von 280,00 € gezahlt haben. Dieser Betrag setzt sich wie folgt zusammen:

Sachverständigenhonorar                            280,00 €

Auszuzahlender Betrag                                280,00 €

Die Sachverständigenkosten übernehmen wir in Höhe von 280,00 €.

Wir hatten Sie im Telefonat vom 23.01.2017 und Schreiben vom 23.01.2017 auf die Möglichkeit hingewiesen, über den Sachverständigen-Verbund SV-NET einen qualifizierten objektiven Sachverständigen in Ihrer Region – ohne jegliches Kostenrisiko für Sie – zu beauftragen. Diese sachverständige Leistung war für Sie gerade in Ihrer Lage ohne weiteres mühelos erreichbar. Zur Vermittlung hatten wir auch unsere Hilfe angeboten.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sind Sie gehalten, im Rahmen des Ihnen Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen, sofern Sie die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen können. Dabei obliegt Ihnen eine gewisse Plauslbilltätskontrolle der vom Sachverständigen bei Vertragsabschluss geforderten oder später berechneten Preise (Wirtschaftlichkeitsgebot). Vom Schädiger können gemäß § 249 BGB als erforderlicher Herstellungsaufwand nur die Kosten erstattet verlangt werden, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in seiner Lage zur Behebung des Schadens zweckmäßig und notwendig erscheinen (vgl. Urteile des BGH vom 22.07.2014, VI ZR 357/13 und vom 26.04.2016, VI ZR 50/15).

Diese Grundsätze und Obliegenheiten haben Sie u. E. hier bei der Beauftragung des Sachverständigen nicht beachtet. Unsere übermittelten Hinweise hätten Sie oder Ihren Vertreter veranlassen müssen, sich vor der Beauftragung über die anfallenden Kosten der Begutachtung zu erkundigen und sodann den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen. Nach unserer Auffassung wäre Ihnen der günstigere Preis in der konkreten Situation ohne weiteres zugänglich gewesen, so dass Ihnen eine kostengünstigere Beauftragung unter dem Blickwinkel der Ihnen gemäß § 254 Abs. 2 Salz 1 BGB obliegenden Schadensminderungspflicht zugemutet werden konnte.

Nach Prüfung des Gutachtens kommen wir auf die Angelegenheit zurück. Bitte haben Sie noch etwas Geduld.

Mit freundlichen Grüßen

HUK-COBURG Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse
kraftfahrender Beamter Deutschlands a. G. in Coburg
Ihr Schaden-Team

Wenn das kein Betrugsversuch ist, was dann?

Jedes Kfz-Sachverständigenbüro, das hier unberechtigt seitens der HUK als „Billigheimer“ vorgeführt wird, sollte umgehend entsprechende Unterlassung einfordern. Entsprechende Unterstützung hierzu gibt es bei Captain HUK. Auch irgendwelche Kürzungsschreiben (jeglicher Art) bitte immer an CH senden.

Als Nächstes braucht man wohl nun nur noch darauf zu warten, bis die HUK einige ihrer Billigwerkstätten benennt und bei der Reparatur des Fahrzeuges in einer anderen Werkstatt die Reparaturkosten (pauschal) auf die Kosten dieser Billigwerkstätten kürzt. Das wäre die logische Konsequenz aus der o.a. Strategie.

Siehe auch:

CH-Beitrag vom 27.01.2017

AG München, Urteil vom 11.08.2017 – 343 C 7821/17
AG München, Urteil vom 20.09.2017 – 322 C 12124/17

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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