Ein Aprilscherz? Nein ein SV Gutachten!

Dieser Bericht soll den Normalverbraucher aufrütteln und freie unabhängige Sachverständige etwas in Rage bringen, weil hier das Image aller Kfz-Sachverständigen stark angekratzt wird. In der Regel ist es so, dass bei einem selbstverschuldeten Unfall oder einem Wildunfall, wie es in diesem Fall geschah nur Sachverständige hinzugezogen werden, welche der Versicherungswirtschaft genehm sind. Die tatsächlich unabhängigen Kfz.-SV werden selbstverständlich in diesen Kasko-Fällen nicht beauftragt und dies aus gutem Grunde.

Bekanntlich ist der Versicherungsnehmer im Kaskofall vertraglich verpflichtet, sich an die Weisungen des Versicherers zu halten. Diese Weisungsbefugnis, wird von den Versicherungen auch ausgeübt und man hat dafür bestimmte Sachverständigengruppieren unter Vertrag, die das tun, was die Versicherer wünschen und nicht das, was den berechtigten Entschädigungsleistungen der Versicherungsnehmer entspricht. Beispielsweise wird von der HUK-Coburg immer die keineswegs unabhängige DEKRA ins Spiel gebracht, um Schadenersatzleistungen zu reduzieren. Hier geht es aber um eine andere Institution nämlich die „Schadensschnellhilfe“ (SSH GmbH), welche vom Großteil Ihrer Mitglieder verlangen dass Sie öffentlich bestellt und vereidigt sind. Dies geschieht unter anderem aus dem Grund, weil die öffentlich bestellten und vereidigten Kfz-Sachverständigen einen guten Ruf in der Bevölkerung haben. Ohne auf alle bindenden Vorschriften für öffentlich bestellt und vereidigte Sachverständige einzugehen, möchte ich hier der Allgemeinheit die wichtigsten Verhaltensregeln und Vorschriften für diese Gruppe aufzählen

1. Strikte Unabhängigkeit und Neutralität (absoluter Grundsatz des SV)

2. Keine Verträge mit anderen Firmen und Gesellschaften, welche das Gutachtenergebnis verändern könnten.

3. Keine Provisionen zahlen an Auftragsgeber

4. Keinerlei Einflüssen ausgesetzt zu sein, welche das Gutachtenergebnis verfälschen könnten.(Weisungen entgegenzunehmen, sind strikt untersagt)

5. Es ist die höchstrichterliche Rechtsprechung zu beachten.

6. Jedes Gutachten muss persönlich erstellt werden. Usw.

Bei der SSH GmbH wird oben genanntes offensichtlich ignoriert. Hier sind über 60 Versicherer Mitglied und ca. 250 SSH-Stationen angeschloßen , welche im Bundesgebiet verteilt sind und (verbotenerweise, fragwürdige) Weisungen der SSH GmbH-Betreiber entgegennehmen, z. T. in einer Weise, die m.E. nicht mehr als rechtskonform zu bezeichnen ist.

Diese Gesellschafter der SSH GmbH sind ebenso ö.b.u.v. Kfz.-SV und unterliegen (verbotenerweise) der Weisungsbefugnis bestimmter Schadensleiter diverser Versicherungen. Auch bezahlen diese SSH-Stationen pro Auftrag eine Provison an die SSH-GmbH und ignorieren zum Teil die höchstrichterliche Rechtssprechung weil sie nur Durchschnittsstundenlöhene der Kfz.Werkstätten einsetzen anstatt die der Markengebundenen Fachwerkstätten , bedienen sich der Restwertbörsen und bieten im Internet Fahrzeuge zum Verkauf an, obwohl der Versicherungsnehmer dies nicht erlaubt hat bzw. gar nicht vorhat sie zu verkaufen. Ein weiterer Punkt ist, der, dass diese SSH-Stellen, zumindest deren Inhaber, wenn dieser öffentlich bestellt und vereidigt ist, auch das Gutachten höchstpersönlich, d. h. alleine erstellen muss. Nun steht Beispielsweise, auf dem Briefkopf dieser SSH-Stelle der Name, die öffentliche Bestellung und die Vereidigung, jedoch fertigt oft ein anderer, nicht vereidigter Mitarbeiter zahlreiche Schadengutachten, weil von der Menge her gesehen, sie ein einzelner Sachverständiger nicht bewältigen kann.

Nun zum Sachverhalt: Da hat ein Herr XY sein Fahrzeug Fiat Ducato, Erstzulassung 15.11.2002 (158.000 km) bei der Signal Iduna Gruppe versichern lassen und leider am 27.4.2005 einen sehr starken Zusammenstoß mit einem Rotwild gehabt. Dieses Fahrzeug in der Ausstattung mit eine 2,3 l Dieselmotor und 81 KW hatte damals einen Neupreis von ca.€ 26.000,00 und wäre mit dieser Km-Laufleistung und einem durchschnittlichen normalem Erhaltungszustand ca. € 11.000,00 bis € 12.000,00 Wert gewesen (wir wollen hier geringe Unterschiede nicht ausdiskutieren). Der Sachverständige dieser besagten SSH-Stelle, welcher dass Fahrzeug besichtigte, kam zu dem Ergebnis dass dieses Fahrzeug einen Frontschaden links hatte mit Beschädigung der Radhäuser und Trägerbleche, einen sogenannten Rahmenschaden hatte, sowie die Antriebsaggregate oder Anbauteile stark beschädigt waren und es genügt überschlägig die Reparaturkosten anzugeben, weil diese weit über dem Wiederbeschaffungswert liegen würden. Er hat also "nur" um unnötige Kosten einzusparen, auf eine detaillierte Kalkulation der Reparaturkosten verzichtet und damit die Nachvollziehbarkeit , auch für die Internet-Bieter verhindert. Weiter wurden Altschäden angegeben, als diverse Rost- und Gebrauchsschäden, ein Sprung in der Frontscheibe, ein Frontschaden rechts, ein Streifschaden an der rechten Fahrzeugseite, der Einstieg rechts sei eingedrückt, ein Schaden am Heck, ein Streifschaden an der linken Fahrzeugseite, diverse Beulen in der rechten und linken Fahrzeugseite, Spiegel links beschädigt, Einstieg links eingedrückt. Bei dieser Schadenbeschreibung fällt dem Fachmann schon auf, dass gleiche Schäden mehrfach gewertet wurden. Das diverser Rost bei dem Alter an diesem Fahrzeug aufgrund von Kratzern oder Beulen herrühren dürfte sichtliche bekannt sein. Wenn man einen Streifschaden an der linken Fahrzeugseite hat, dann spielen auch diverse Beulen in der linken Fahrzeugseite keine große Rolle mehr, genau so verhält es sich mit der rechten Fahrzeugseite. Aber der Kernpunkt dieser Sache ist ,dass von dem Sachverständigen ein Wiederbeschaffungswert incl. MwSt. (Regel besteuert 16 %) von € 5.800,00 ermittelt wurde unter Einbeziehung des regionalen Marktes. Obwohl der BGH deutlich ausgeführt hat, dass die Wiederbeschaffungswerte nicht von den Restwertbörsen ermittelt werden müssen, wurde aber der Restwert über eine sogenannte überregionale Restwertbörse ermittelt und das höchste Preisangebot im Gutachten mit € 6.180,00 incl. MwSt. angegeben. Dem Otto Normalverbraucher sagen diese Zahlen nicht viel aus, dem qualifizierten Sachverständigen sehr wohl und zwar aus diesem Grunde: Ein Fahrzeug, welches wie hier im gewerblichen Betrieb eingesetzt war, hat nun oft Gebrauchsschäden welche von den Firmen nicht in diesem Maßstab bewertet werden ,sofern das Fahrzeug einsatzfähig ist. Das Fahrzeug hatte zusätzlich einen so starken Unfall mit Haarwild erlitten, dass ein offensichtlicher Totalschaden an der Front des Fahrzeuges von mindestens (wenn, über die 130 % Grenze hinausgehend) € 8.700,00 vorhanden war , welcher weit über den Wiederbeschaffungswert hier € 5.800,00 hinaus ging. Mit diesen Zahlen wurde das Fahrzeug in die Internet Börse eingestellt, welches angeblich nur € 5.800,00 Wert war und einen rund € 8.700,00 starken Wildschaden hatte, also ein sogenannter wirtschaftlicher Totalschaden. Im Internet wurde ein Höchstgebot von € 6.180,00 abgegeben. Als höchstes Restwert-Angebot wurden also noch € 380,00 über den vom SV ermittelten Wiederbeschaffungswert geboten, trotzdem dieses Fahrzeug einen Wildschaden von ca. € 8.700,00 hatte und angeblich vorhandene Altschäden von ca. € 5000,00. Dieses „Gutachten“ wurde dann von der SSH-Stelle an die Signal Iduna geschickt, welche dem Kunden dann wie folgt antwortete:

Sehr geehrter Herr…. Das Gutachten liegt inzwischen vor, eine Wildschadenbescheinigung liegt jedoch noch nicht vor. Da der Wiederbeschaffungswert hier niedriger als der Restwert kalkuliert worden ist, ist rechnerisch keine Entschädigung zu leisten. MfG…..

Wenn man hier etwas sarkastisch ist, hat dieser Versicherungsnehmer noch Glück gehabt, dass er den Differenzbetrag von € 380,00 nicht bezahlen musste und auch keine evtl. Selbstbeteiligung leisten muss. Dass dem “Experten“ dieser SSH-Stelle nicht bewusst wurde, dass sein Wiederbeschaffungswert völlig daneben lag und er diese Altschäden u.Gebrauchsspuren überbewertete und zuviel heruntergerechnet hat, ist nicht nachvollziehbar. Völlig unverständlich ist der Umstand, dass ein so offensichtliches Falschgutachten weitergeleitet wurde. Scheinbar ist nun mit Hilfe der Angebote aus der Restwertbörse einen neuer Weg gefunden worden, Schadenersatzleistung völlig zu eleminieren. Somit hat der Versicherungsnehmer zwar € 380,00 über den festgestellten Wiederbeschaffungswert des Sachverständigen erhalten, aber wurde um mindestens € 3.000,00 hinsichtlich des Wiederbeschaffungswertes übervorteilt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Kommentare erwünscht.

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