Totalschaden mit allen Mitteln

Trend bei den Haftpflicht u. Kasko (HuK) Versicherungen. Im Kaskoschaden (Vertragsrecht) ist der VN (Versicherungsnehmer) gegenüber der Versicherung weisungsgebunden, solange sich dieses im Rahmen der Vertretbarkeit bewegt. Somit ist der VN, gemäß der Praxis, vorerst gebunden den Sachverständigen der Versicherung zu nehmen. Erst wenn der VN mit dem Gutachten der Versicherung nicht zufrieden ist bzw. den Verdacht hat, dass das Gutachten der Versicherung nicht stimmt, kann er das Gutachten von einem unabhängigen freien Sachverständigen überprüfen lassen.

Wenn nun der, vom VN eingeschaltete Sachverständige, zu dem Schluss kommt, dass das Gutachten der Versicherung nicht stimmt, kann der VN ein Sachverständigenverfahren einleiten (Siehe AKB). Die Praxis ist meines Erachtens falsch geregelt. Normalerweise müsste dem VN die freie Wahl des Sachverständigen zustehen um eine technische Gleichstellung gegenüber der Versicherung zu erlangen. Den Weg des Sachverständigenverfahrens müsste meines Erachtens die Versicherung einleiten und nicht der VN. Die Überprüfung des Sachverständigengutachtens ist der Versicherung mehr zuzutrauen, da diese ja täglich damit zutun hat und nicht der VN, der normalerweise mit dieser Materie nicht vertraut ist. Ich habe nun die Erfahrung gemacht, dass der VN nicht im vertretbaren Bereich behandelt wird. Die Versicherungswirtschaft versucht so gut wie möglich auf den Wiederbeschaffungsaufwand bzw. auf einen Totalschaden abzurechnen. Dies bedeutet für die Versicherung, dass Sie nur den Differenzbetrag zwischen dem Wiederbeschaffungswert (Fahrzeugwert vor dem Schadensereignis) und dem Restwert (Fahrzeug-Marktwert nach dem Schadensereignis) gegenüber dem Versicherungsnehmer abrechnen müssen. Den Restwert erhält der VN von dem Ihm übermittelten Restwertaufkäufer. Es wird mit allen Mitteln versucht dem VN den eingetretenen Totalschaden darzulegen, obwohl der VN vielleicht eine Reparatur ausführen könnte. Es geht hier nur um die Kostenersparnis und nicht mehr um das Interesse bzw. Recht des VN. Folgende Fälle habe ich nun erlebt, aus welchen ich die vorhergenannten Fakten ableite:

  • Fall 1: Versicherung (derzeit nicht mehr bekannt, kann aber noch ermittelt werden) Das Autohaus XY hat mir letztes Jahr ein Gutachten der Versicherung vorgelegt, in dem das Autohaus XY verunsichert wurde, ob Sie nun reparieren dürfen oder nicht. Die Reparaturkosten lagen klar unter dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges. Es liegt damit ein Reparaturschaden vor, wenn der VN das Interesse einer Reparatur seines Fahrzeuges vorgibt. Von der Versicherung wurde ein relativ hoher Restwert über die Restwertbörse ermittelt. Der Wiederbeschaffungsaufwand (Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert) ergab sich somit als kostengünstiger für die Versicherung als die Reparaturkosten. Im Gutachten stand nun der Text, dass das Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hat und eine Reparatur nicht mehr wirtschaftlich wäre. Durch diesen Text wurde der Eindruck erweckt, dass eine Reparatur nicht mehr in Frage kommt. Dem Autohaus XY konnte damals mitgeteilt werden, dass gemäß den vorliegenden Werten ein klarer Reparaturschaden vorliegt. Das Fahrzeug wurde danach vom Autohaus XY repariert, da der VN auch Interesse an der Reparatur zeigte und nicht an der Totalschadenabrechnung. Bei Gesprächen mit Kollegen wurde diese Praktik des Totalschadenstextes bestätigt. Der fehlende Hinweis, dass der VN auch reparieren kann wurde vollkommen unterdrückt.

 

  • Fall 2: Generali Versicherung Ein weiterer Fall ist im gleichen Autohaus XY aufgetreten. Der VN der Generali Versicherung hat einen Schaden an seinem Fahrzeug erlitten. Der VN wollte sein Fahrzeug reparieren lassen und das Autohaus hat der Reparatur zugestimmt. Es wurde nun ein Gutachten von der Generali erstellt. Das Gutachten hat nur den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges und den Restwert des Fahrzeuges ausgewiesen. Ferner wurde im Text mitgeteilt, dass das Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hat und eine Reparatur nicht mehr möglich sei. Die Reparaturkosten wurden vom Sachverständigen der Generali nicht kalkuliert, obwohl das Fahrzeug noch einen Wiederbeschaffungswert von 21.750,00 € inkl. Mwst. hatte. Es stellte sich nun die Frage, wie der Sachverständige den Totalschaden so eindeutig beurteilen konnte und wie der Restwertaufkäufer ein Angebot abgeben konnte ohne die Auflistung der Reparaturkosten einsehen zu können. Anhand der Lichtbilder kann der Aufkäufer den Schadensumfang nicht abgrenzen. Weiterhin ist dem VN und der Werkstatt die Nachvollziehbarkeit des Gutachtens genommen worden, da die Reparaturkosten nicht ermittelt wurden. (Entsprechend dem Schadensbild und dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges war noch ein Reparaturfall denkbar) Der Reparaturfall wurde somit wieder einmal unterdrückt, da nur auf den Totalschaden hingewiesen wurde und die Reparaturkosten ausgelassen wurden. Von Seiten des VN und der Werkstatt wurde ich nun eingeschalten die Reparaturkosten zu bestimmen. Das Fahrzeug wurde im unzerlegten Zustand besichtigt. (Gleicher Besichtigungsverhalt wie für den Sachverständigen der Versicherung) Die Reparaturkosten errechneten sich auf ca. 17.500,00 € inkl. Mwst. Das Fahrzeug lag somit im Reparaturbereich, obwohl lt. Versicherung ein eindeutiger Totalschaden eingetreten ist. Vom VN wurde daraufhin ein Reparaturauftrag erteilt. Die Reparaturkosten weiteten sich im zerlegten Zustand noch aus. Das Fahrzeug wurde jedoch im Rahmen des Wiederbeschaffungswertes wiederhergestellt. Die Versicherung hat somit für sich nicht den kostengünstigen Totalschaden abrechnen können, aber das Interesse des VN an seinem Fahrzeug wurde sichergestellt. Der VN kam somit zu seinem Recht, jedoch erst unter Einschaltung eines eigenen Sachverständigen. Dieser Vorfall wäre gar nicht erst eingetreten, wenn ein unabhängiger Sachverständiger sofort eingeschalten werden könnte.

 

  • Fall 3: HDI Versicherung In einer anderen Werkstatt wurde ein Renault Megane Cabrio hereingeschleppt. Die Werkstatt und der VN befragten mich, ob das Fahrzeug noch zu reparieren ist. Ich teilte hier mit, dass es knapp werden würde und es müssten die entsprechenden Daten dazu ermittelt werden. In Anbetracht des Kaskoschadens wurde von der Versicherung HDI ein Sachverständigenbüro (SSH-Stelle) beauftragt ein Gutachten vom Fahrzeug des VN zu erstellen. Der Sachverständige ermittelte einen deutlichen Totalschaden. Die Werkstatt und der VN beauftragten mich das Gutachten zu überprüfen, da Sie das Gefühl haben, dass das Fahrzeug „tot geschrieben“ wurde. Die Überprüfung des Gutachtens zeigte auf, dass eine nur lackbeschädigte Motorhaube ersetzt wurde, die Seitenwand hinten rechts teilweise erneuert wurde, obwohl diese mit einfachem Aufwand zu richten war. Es wurden noch weitere überhöhte Kosten festgestellt. Es wurden daraufhin die Reparaturkosten neu und richtig kalkuliert. Es ergaben sich Reparaturkosten unter dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges. Die Werkstatt hat das Fahrzeug im Interesse des VN und im Rahmen des Wiederbeschaffungswertes repariert. Die kostengünstige Abrechnung auf Totalschadenbasis ist in diesem Fall der Versicherung wieder einmal entgangen, aber der VN ist zu seinem Recht gekommen. Meines Erachtens wurde das Fahrzeug tot geschrieben, um den klaren Totalschaden zu erreichen. Das Interesse der Versicherung (Auftraggeber) wurde vorangestellt. Auch hier ist der VN erst wieder durch Einschaltung eines freien und unabhängigen Sachverständigen zu seinem Recht gekommen.

Fazit: Aus diesen drei Fällen ist zu erkennen, dass die Versicherungswirtschaft mit allen Mitteln versucht die kostengünstige Totalschadenabrechnung unterzubringen. Das evtl. Interesse des VN zur Reparatur wird unkenntlich gemacht. (Einseitiger Text, keine Reparaturkostenermittlung, Reparaturkostenüberhöhung zur Überschreitung des Wiederbeschaffungswertes) Es ist jedes Mal erst durch die Einschaltung eines unabhängigen Sachverständigen das Recht des VN vertreten und klar dargelegt worden. Es ist hier nun wieder der Fakt festzustellen, dass auch im Kaskoschaden im Vorfeld bereits ein freier unabhängiger Sachverständiger einzuschalten wäre, da die Versicherungswirtschaft das Recht des VN hinten anstellt. Dies müsste meines Erachtens rechtlich und/oder gesetzlich überdacht bzw. geregelt werden zum Schutz des VN (Verbraucher). Im Moment kann man den VN/Verbraucher nur raten, dass er das Gutachten der Versicherung von einem freien unabhängigen Sachverständigen überprüfen lässt. Im Haftpflichtschaden gilt das gleiche Prinzip der Versicherungswirtschaft. Auch hier wird der kostengünstige Weg der Abrechnung auf Wiederbeschaffungsaufwand/Totalschaden gesucht. Oder es wird das Unterbringen des Schadensmanagements versucht. (Eigener Sachverständiger, Werkstattvermittlung, Leihwagenvermittlung)Im Haftpflichtschaden hat der Geschädigte jedoch das Recht den Sachverständigen selbst zu benennen.Er muss nicht den Sachverständigen der Versicherung annehmen. Dies gilt natürlich auch für den rechtlichen Bereich der Rechtsanwaltswahl. Ich hoffe hiermit dem Verbraucher verdeutlicht zu haben, dass er mit der Wahl eines eigenen Sachverständigen gut gestellt ist, da der freie unabhängige Sachverständige als Verbraucherschützer des Geschädigten anzusehen ist. Es heißt nicht, dass er damit nur den Geschädigten vertritt, nein er hält sich nur an das herrschende Recht.

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