Wieder einmal etwas zum Thema Kapital-Lebensversicherung bzw. Bewertungsreserven: So langsam wird es richtig eng für alle, die ihre Altersvorsorge noch rechtzeitig in Sicherheit bringen wollen

Am 05.03.2013 hatten wir zum letzten mal über den Coup der Versicherer zur Einbehaltung der Bewertungsreserven berichtet sowie in den vorausgegangenen Beiträgen u. a. über die Aktivitäten unseres Bundesfinanzministers, die Bewertungsreserven mit einer Gesetzesänderung des VAG im Jahr 2012 in einer „Nacht- und Nebelaktion“ den Versicherern „zuzuschustern“. Kurz nachdem der Bundesrat – entgegen dem massiven Widerstand des Bundesfinanzministeriums – diese Gesetzesänderung im Vermittlungsausschuss gekippt hatte, erschien am 15.03.2013 ein Interview des Bundesfinanzminister auf der Webseite des GDV, in dem er der Versicherungswirtschaft in Aussicht stellt, dass die Sache mit der Einbehaltung der kompletten Bewertungsreserven noch nicht vom Tisch sei. Die Versicherungswirtschaft hatte diesen „Tip“ dann offensichtlich wohlwollend zur Kenntnis genommen und gräbt nun fleißig weiter an diesem (zur Zeit verschlossenen) Claim, der gemäß Bundesverfassungsgericht und VVG eindeutig den Versicherten zusteht.

Immer wieder wird seitens der Versicherungswirtschaft dieses Thema angegraben und in irgendwelchen Beiträgen thematisiert. So z.B. auch in dem GDV-Beitrag vom 12.11.2013 unter dem Titel

Versicherungsaufseher Felix Hufeld im FAZ-Interview

oder im Beitrag vom 14.11.2013

Bundesbank – Versicherungswirtschaft begrüßt Analyse zu Bewertungsreserven

bei dem nun sogar die Bundesbank mit ins Boot geholt wurde.

Weiter geht es dann mit einem Beitrag vom 21.11.2013

„Zentrale politische Positionen der deutschen Versicherungswirtschaft“

und einem weiteren vom 21.11.2013

GDV-Präsident sieht Generationengerechtigkeit in Gefahr

Das Rezept der jeweiligen Akteure ist hierbei immer das Gleiche:

Angst verbreiten und danach gleich wieder beruhigen. Und das im steten Wechsel wellenartiger Ausbreitung.

Die Versicherungsbranche ist selbstverständlich völlig stabil, nur die rechtmäßigen Ansprüche der Bestandsversicherten bei Vertragsende bedrohen die Existenz der Branche. Deshalb müsse man, zum Wohle der Versichertengemeinschaft, leider in die Taschen derer greifen, deren Versicherung fällig wird, um den „worst case“ der Branche zu verhindern. So oder so ähnlich kann man die Botschaften auf einen Nenner bringen. Über den wahren Zustand der Versicherungsbranche wird aber weiterhin der Mantel des Schweigens gehüllt.

Böse Zungen hingegen behaupten, die Kapitallebensversicherer haben sich in den letzten Jahrzehnten hoffnungslos „verzockt“ und stehen kurz vor dem völligen Zusammenbruch. Demzufolge wären nicht nur die Gewinnanteile, wie z.B. die Bewertungsreserven, in Gefahr, sondern auch das gesamte eingezahlte Kapital. Aus diesem Grund würden die Versicherer versuchen, auf allen Ebenen noch etwas Geld locker zu machen.

Jüngstes Beispiel, das diese These stützt, ist z.B. die aktuelle Entscheidung der EU, nach der eine  Eigenkapitalquote der Lebensversicherer von lediglich 4,5% völlig ausreichend sei. Eine Entscheidung, die entgegen aller Warnungen und dem ausdrücklichen Rat hochrangiger Finanzexperten einschließlich der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) getroffen wurde. Dieses „Geschenk“ der EU an die Lobbyisten spült den Versicherern nun angeblich ca. 277 Milliarden Euro „frisches Geld“ in die Kassen. Wenn man das Tafelsilber angreift – und nichts anderes ist das Eigenkapital – kann man seinen Verpflichtungen natürlich wieder eine Weile nachkommen. Wie dünn eine Eigenkapitaldecke von 4,5% jedoch zu bewerten ist, sieht man am besten, wenn man einen Bankkredit beantragt. Welche (seriöse) Bank finanziert ein Auto oder ein Eigenheim, wenn der Antragsteller nur über ein Eigenkapital von 4,5% verfügt? Ich kenne keine. Denn die meisten Kreditverträge mit einer Eigenkapitalquote von nur 4,5% werden in der Regel notleidend. Die Politik der geringen Eigenkapitalquote der betroffenen Akteure war u. a. auch ein Grund für die sog. „Finanzkrise“ 2008. Aufgrund dieser einschneidenden Erfahrungen wurden die Banken dazu verpflichtet, das Eigenkapital zu stärken. Für Versicherer scheinen in Europa jedoch andere Maßstäbe zu gelten? Oder die EU weiß, es ist sowieso schon alles verloren, so dass Maßnahmen wie diese gar keine Rolle mehr spielen? Hauptsache man kann den endgültigen Zusammenbruch des Finanzsystemes noch ein wenig hinausschieben?

Wie dem auch sei. Ob kompletter Zusammenbruch mit Totalausfall der eingezahlten Beträge oder drastische Kürzungen bei den Gewinnanteilen. Wer trotz aller Warnsignale aus Wirtschaft und Politik weiterhin auf eine Kapital-Lebensversicherunger setzt, oder eine bestehende womöglich doch noch bis zum (bitteren) Ende fortführen will, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Die Spatzen pfeiffen es von allen Dächern. Man muss sie nur hören (wollen).

Siehe auch:

Captain-HUK Beiträge zu den Bewertungsreserven

Plusminus vom 07.08.2013

Finanzen.de vom 08.08.2013

Kopp Online vom 27.10.2013

Osnabrücker Zeitung vom 10.11.2013

Reuters vom 11.11.2013

Die Welt vom 12.11.2013

Investor Verlag vom 20.11.2013

Die Welt vom 21.11.2013

Versicherungsmagazin vom 21.11.2013

Tagesspiegel vom 21.11.2013

VZBV vom 22.11.2013

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