Warum Werkstätten sich dem Diktat der Versicherungen beugen

In der Vergangenheit wurde des Öfteren das Thema behandelt, das Autowerkstätten sich dem Preisdiktat der Versicherungen beugen. An Hand meiner Erlebnisse mit der Allianz möchte ich verdeutlichen, mit welchen Mitteln Versicherungen ihren Wünschen Nachdruck verleihen.

Im Rahmen meiner Firma werden ausschließlich Verbundglasreparaturen durchgeführt, keine Scheiben getauscht und die Preise sind in etwa gleich wie die Preise, die Junited angibt. Ich rechne für ca. 10 Franchisenehmer die Arbeiten mit den Versicherungen ab.

Vor einigen Jahren, begann dann das beliebte System mit Control Expert und ähnlichen sogenannten Rechnungsüberprüfungen. Rechnungen wurden gekürzt, korrigiert oder welchen Ausdruck auch immer man dafür verwendete um nicht den vollen Rechnungsbetrag übernehmen zu müssen. Natürlich akzeptierte ich diese Praxis nicht und alle Forderungen wurden von der Allianz beglichen.

Eines Tages erhielt ich dann einen Anruf von Herrn O. (Allianz). Ich schilderte dieses Telefonat bereits in dem Artikel

Ein interessantes Telefonat mit der Allianz

„Mein Vorhalt, dass hier die Kaskoleistung des Kunden gekürzt wird und nicht die Rechnung, der Kunde nach wie vor zur Zahlung verpflichtet sei, wurde dahingehend beschieden, dass der Kunde auch seinerseits das Recht zur Kürzung habe, wenn eine Rechnung deutlich überhöht sei. Er sei aber kein Jurist und wie das genau geht wisse er nicht. Im Zweifel würde die Allianz aber dann doch bezahlen, aus Kulanz.“

So weit so gut, aber die Allianz war doch anscheinend sehr verärgert, dass ich mich weigerte ihrer Geschäftspolitik Tribut zu zollen. Zunächst wurden einfach alle Vorgänge meines Hauses einfach auf Eis gelegt, sprich Geld gab es nur noch nach der 3. oder 4. Mahnung und nach langen nervigen Telefonaten.

Aber das genügte offensichtlich nicht und man schickte Mitte 2008 einen Gutachter zu einem meiner größten Kunden, der bei der Allianz versichert ist. Ganz offensichtlich musste der gute DEKRA Gutachter systematisch nach Fehlern suchen, besonders darauf achten, ob alle abgerechneten Schäden auch vorhanden waren. Mein Vorhalt, das bei einem Geschäftkunden, der Rechnungen von mir bekommt, da er die Mehrwertsteuer selber zahlen muss und diese auch innerhalb weniger Tage bei mir eingeht, es wohl nicht möglich sei ohne dessen Wissen und Billigung etwas abzurechnen, wurde einfach abgetan.

Tatsache, nach diesen Überprüfungen wollte der Kunde nichts mehr von uns wissen, es gab keine weiteren Aufträge mehr. Aber es waren noch Rechnungen offen bzw. es gab noch zahlreiche Rechnungen für die seitens der Allianz nur Teilbeträge angewiesen worden sind. Ich schrieb also weitere Mahnungen und fügte diesen Mahnungen Zweitschriften der Rechnungen bei (die versehentlich das Systemdatum trugen) und Kopien der Abtretungserklärungen.

Auf für mich nicht nachvollziehbare Weise verschwanden die Mahnschreiben, die Rechnungen wurden dem Kunden zugesandt, mit dem Hinweis, dass wir immer noch Schäden abrechnen würden. Meine Einwände, dass die Rechnungen zwar versehentlich das Systemdatum trugen, aber an Hand der Rechnungsnummern eindeutig klar sei, dass es sich um Zweitschriften der alten Rechnungen handeln würde und auch die Kopien der Abtretungserklärungen eindeutig auf die alten Vorgänge verweisen wurde abgetan. Auf den Rechnungen hätte kein Vermerk „Mahnung“ gestanden und auch die Teilbeträge, die ich schon erhalten habe, wären nicht vermerkt gewesen. Also üblicherweise vermerke ich das nie auf Zweitschriften von Rechnungen, das steht im Mahnschreiben.

Das Ergebnis dieser ganzen Vorgänge, Kunde verloren, aber alle Außenstände wurden durch den Kunden beglichen.

2009, meine Firma wurde aufgelöst und ich arbeite in einer anderen Konstellation mit einem Teil der Franchisenehmer weiter. Zunächst gab es keine Probleme, aber dann hörte ich, dass man bei der Allianz lediglich von einer Umbenennung der Firma ausgegangen ist, und der Kampf wurde fortgesetzt. Wieder wurden Regulierungen verzögert, einem Kunden wurde mitgeteilt, dass wir ganz dubios wären und schon den Namen geändert hätten, um unsere Spuren zu verwischen. Ein anderer Kunde wurde Wochen nach erfolgter Regulierung angerufen und gebeten nicht mehr mit uns zusammen zu arbeiten. Da dieser Kunde aber sehr zufrieden mit unserer Arbeit war, wollte er bei den nächsten Schadensereignissen trotzdem die Reparaturen wieder durch uns durchführen lassen. Er bat aber, alles vor Durchführung der Reparaturen mit der Allianz zu klären.

Wie immer wurde zunächst einfach nur ignoriert. Als die Nachfragen massiver wurden, rief Herr S. von der Allianz beim Kunden an und sagte, dass er nicht bei uns reparieren lassen solle, da unsere Arbeiten ständig nachkontrolliert werden müssen, außerdem wäre die Allianz mit uns vor Gericht. Man bat den Kunden zu einer Firma R. zu gehen.

Anfragen bei der Allianz werden mit dem kryptischen Satz „Nach Überprüfung aller Vorgänge Ihres Hauses bestehen wir auf dem Abtretungsverbot“ beantwortet. Außerdem droht man einfach mal weitere Schritte an.

Das einzige, was ich mir sowohl als Mitinhaber der früheren GbR als auch als heutige Einzelfirma habe zu schulden kommen lassen ist, dass ich auf meine Preise bestehe. Preise die geringfügig über den angeblichen Marktpreisen von ControlExpert liegen, die sich aber im absolut üblichen Rahmen bewegen. Außerdem sind Durchschnittspreise doch wohl eigentlich Preise, die in der Mitte von einem Preisrahmen liegen.

Auf jeden Fall habe ich durch das Verhalten der Allianz insgesamt 3 Kunden verloren. Juristisch nachweisen kann ich dies aber nur bei einem Kunden, da die anderen beiden Kunden niemals bestätigen werden, dass Sie nur auf Grund des Verhaltens der Allianz nicht mehr mit mir zusammenarbeiten werden.

Vermutlich wäre es billiger gewesen, einfach die Kürzungen hinzunehmen.

Ich werde nicht nachgeben und wohl einen Anwalt einschalten.

Über Roswitha Gladel

Wir haben den Kampf gegen die Versicherungen verloren. Endgültig, grausam und für immer.
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10 Kommentare zu Warum Werkstätten sich dem Diktat der Versicherungen beugen

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