TOTALSCHADEN HERBEI GERECHNET IM KASKOFALL

EINZELFALL- ODER STECKT SYSTEM DAHINTER ?

Ein Kommentar von Versicherungsfuzzi in diesem Blog veranlasste mich unter Anderem diesen Beitrag einzustellen. 

Zitat: „Wenn es aber geknallt hat, setzt lautes Heulen und Zähneklappern ein, weil man für die halbe Prämie eben auch nur die halbe Leistung bekommt.“ 

Man muss hier unterscheiden:

Haftpflichtschaden = Versicherungsrecht nach VVG

Leistungen aus der Kaskoversicherung  = Vertragsrecht! 

Wenn hier die (von beiden Seiten) vertraglich vereinbarten Leistungen vom jeweiligen Versicherer vollständig erbracht werden, ist das natürlich in Ordnung.

Wenn  jedoch versucht wird, vertraglich vereinbarte Leistungen mit Taschenspielertricks zu minimieren, dann ist das nicht in Ordnung.

In vielen Fällen gehen  nach meiner Erfahrung die  (leibeigenen)  „Sachverständigen“ der Versicherungen bzw. weisungsgebundene Organisationen so vor: 

Reparaturkosten künstlich aufblähen + Wiederbeschaffungswert zu niedrig ansetzen + Restwert in ernormer Höhe ansetzen    =    Wirtschaftlicher Totalschaden. 

Abgerechnet wird dann Wiederbeschaffungswert minus Restwert, da in den meisten Kaskoverträgen der Wiederbeschaffungswert als Höchstgrenze der Entschädigungsleistung festgelegt wird. 

Bei fiktiver Abrechnung (=Abrechnung ohne Nachweis der Reparatur) wird meiner Meinung nach bei dieser Vorgehensweise der Geschädigte eindeutig betrogen. 

Hier ein nachweisliches Beispiel aus meiner Praxis 

Der von der Versicherung beauftragte Sachverständige gab folgende Beträge an: 

Angebliche Reparaturkosten ohne Mwst.:          € 12.208,-

angebliche Reparaturkosten inkl. Mwst.:            € 14.398,- 

angeblicher Wiederbeschaffungswert:               € 13.800,-  

Angeblicher Restwert:                                         €  7.300,-

Der Geschädigte wollte sein Fzg. unbedingt behalten und in Eigenregie reparieren.

Die Versicherung stellte folgende Abrechnung in Aussicht: 

Wiederbeschaffungswert (€ 13.800,- minus Restwert  € 7.300,-)    

= Entschädigungsbetrag:                                   €  6.500,00

Dem  Geschädigten kam dieses Angebot jedoch „spanisch“ vor, deshalb wurde ich von ihm mit der Überprüfung des vorgenannten Gutachten beauftragt. 

Hier das Ergebnis:   

Tatsächlich  erforderliche Reparaturkosten ohne Mwst.   €   10.230,-

Tatsächlich erforderliche Reparaturkosten mit Mwst.       €   12.180,-

Wiederbeschaffungswert                                                 €   13.800,-             

(Obwohl der Wiederbeschaffungswert an der Untergrenze angesiedelt, habe ich diesen vom vorgenannten SV übernommen)

Es liegt also  k e i  n  wirtschaftlicher Totalschaden vor. Die Entschädigungsleistung muss demnach betragen:   

 Entschädigungsbetrag:                                                   €  10.230,–     

(Das sind die Reparaturkosten ohne Mwst.)                                                   

Wie mir der Geschädigte telefonisch mitteilte, wurde zwischenzeitlich der Schaden auch so reguliert, wie von mir kalkuliert. Meine Prüfkosten wurden ebenfalls bezahlt. 

Hätte der Geschädigte keine Überprüfung in Auftrag gegeben, wäre er um einen Betrag von über €  3.700,-übervorteilt worden.

Ob dies tatsächlich den Tatbestand des Betruges erfüllt, kann ich als juristischer Laie nicht beurteilen, nach meinem Rechtsverständnis würde ich das aber bejahen.

Daher kann ich jedem geschädigten Verbraucher nur raten: 

Kaskoschäden, welche von Versicherungen begutachtet wurden, bzw. von diesen in Auftrag gegebene Gutachten, unbedingt von einem  u n a b h ä n g i g e n  KFZ- Sachverständigen überprüfen lassen.

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