Kasko-Schadenmanagement der R+V Versicherung – hier Schneidedraht und Klebesatz

Jede Menge einfallsreiche Abzüge bei der Abwicklung von Kfz-Haftpflichtschäden – insbesondere bei der fiktiven Abrechnung – sind ja nichts Neues und gehören inzwischen leider zum Streitalltag der Schadenregulierung. Aber auch bei der konkreten Abrechnung gibt es jede Menge willkürliche Abzüge seitens der Versicherer, die von vielen Werkstätten leider widerspruchslos hingenommen werden. Als Ergebnis dieser rechtswidrigen Schiene wandert ein beachtlicher Teil der Schadensregulierungskosten in die Taschen der Versicherungskonzerne. Die Zeche hierfür bezahlen in der Regel die geprellten Reparaturbetriebe.

Hier haben wir nun einen exemplarischen Fall zu einem Kaskoschaden der R+V Versicherung, der zeigt, dass inzwischen auch die eigenen Kunden rücksichtslos geschröpft werden. Der Kampf um den letzten Cent ist also auf allen Ebenen in vollem Gange.

Im vorliegenden Fall wurde am 08.06.2015 die Frontscheibe eines VN der R+V  beschädigt und im Rahmen der Kaskoschadenregulierung ausgetauscht. Seitens der R+V Versicherung wurde die Reparaturrechnung dann an die Fa. carexpert KFZ-Sachverständigen GmbH (= R+V Ableger) weitergegeben. Sinn und Zweck dieser Weitergabe war natürlich das Kürzen der Reparaturrechnung – hier durch Herausstreichen des Schneidefadens sowie die Reduzierung der Kosten für den Klebesatz.

Nachdem sich der VN mit der Kürzung nicht abfinden wollte, erfolgte der Vorschlag zur Einleitung des Sachverständigenverfahrens. Die R+V Versicherung verweigerte sich jedoch und sah die Einleitung des Sachverständigenverfahrens als nicht begründet, da es sich – nach Meinung der R+V – nur um eine Rechtsfrage handele und deshalb das Sachverständigenverfahren nicht anzuwenden sei (ha, ha, ha – selten sooo gelacht!!). Der VN  leitete daraufhin trotzdem das Sachverständigenverfahren gemäß AKB A.2.6 ein und benannte einen Sachverständigen. Die R+V Versicherung schaltete jedoch weiter auf Stur und benannte keinen Sachverständigen. Die R+V verwies auf entsprechende gerichtliche Klärung. Daraufhin erfolgte am 12.09.2015 Klage am AG Bayreuth durch die Kanzlei Gerhards aus Bayreuth gegen die R+V Versicherung (Klage der Reparaturwerkstatt aus abgetretenem Recht). Nach Zustellung der Klageschrift regulierte die R+V Versicherung dann – Husch-Husch – am 25.09.2015 den Klagebetrag einschl. Zinsen und verhinderte damit ein entsprechendes Urteil gegen die R+V Versicherung. Mehr Preisgabe der Lächerlichkeit geht wohl kaum noch, oder? Werden „linke Strategien“ wie diese eigentlich von den überbezahlten Handlungsbevollmächtigten „ausgeknobelt“? Vielleicht sollte man bei Schadensmanagement-Instrumenten wie diesen gelegentlich den Tatbestand des versuchten Betruges diskutieren?

Dieser Vorgang zeigt sehr deutlich, dass seitens der Versicherer meist nur mit heißer Luft gepokert wird und man auf die Dummheit oder Feigheit der Kunden bzw. der Werkstätten setzt. Leider geht diese Strategie in den meisten Fällen (noch) auf.

Hier nun die gegenständlichen Schreiben der R+V Versicherung, die übrigens allesamt durch den Vorstand unterzeichnet sind:

Stuttgart, 08.07.2015

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Gerhards,

In Bezug auf Ihr Schreiben vom 07.07.2015 teilen wir Ihnen mit, dass wir die Reparaturkosten für die untere Zierleiste übernehmen werden. Da diese in einem vorangegangen Schaden ebenfalls aufgeführt wurde.

Die Kosten für die in Abzug gebrachten Schneidfäden werden wir, gemäß Prüfbericht, nicht übernehmen, da diese schon in den Stundenverrechnungssätzen enthalten sind.

So verhält es sich auch mit dem Aufschlag des Klebesatzes. Für die fachlich saubere Verklebung ist der vom Fahrzeughersteller empfohlene Kleber ausreichend.

Die Zahlung von 24,43 € zzgl. MwSt werden wir an Auto … veranlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Norbert Rollinger                              Hans-Christian Marschler

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Stuttgart, 08.07.2015

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Gerhards,

In Bezug auf unser heutiges Telefonat und der erneuten internen Prüfung muss ich Ihnen mitteilen, dass wir bei der durchgeführten Abrechnung, wie mit voran gegangen Schreiben mitgeteilt, bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Norbert Rollinger                              Hans-Christian Marschler

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Stuttgart, 30.07.2015

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Gerhards,

In Bezug auf Ihr Schreiben vom 10.07.2015 müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Beurteilung der Abzüge eine Rechtsfrage ist und kein Thema für ein Sachverständigenverfahren darstellt. Da wir den Umfang und die Durchführung der Reparatur nicht in Frage stellen.

Die von uns durchgeführten Abzüge hinsichtlich verwendetem Kleber und der Schneidfäden behalten wir bei und werden keine außergerichtliche Nachregulierung vornehmen.

Ihre eingereichte Kostennote werden wir begleichen, sobald Sie uns die entsprechende Vollmacht Ihres Mandanten eingereicht haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Norbert Rollinger                              Hans-Christian Marschler

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Stuttgart, 14.09.2015

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Gerhards,

auf Ihr Schreiben vom 16.08.2015 nehmen wir Bezug.

Wir betonen nochmals, dass es sich hier nicht um ein Thema für das Sachverständigenverfahren handelt, sondern vielmehr um eine Rechtsfrage.

In vorliegenden Fall ist nur eine gerichtliche Klärung möglich.

Es wurde nicht Art und Umfang der Reparatur bemängelt, sondern ob Schneidedrähte bzw. Schneidefäden nach Richtlinien der IHK / HWK zu den Betriebsmitteln gehören, die in den Allgemeinkosten beinhaltet sind oder nicht.

Weiterhin ist die Preisempfehlung des Fahrzeugherstellers mit einem Aufschlag von 10 %  für den erforderlichen Klebesatz berücksichtigt worden.

Ein weiterer Anspruch besteht unseres Erachtens nicht. Die erforderlichen Kosten der Wiederstellung wurden damit bezahlt. Es kann nur im Klageverfahren eine abschliessende Klärung herbei geführt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Norbert Rollinger                              Hans-Christian Marschler

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Stuttgart, 25.09.2015

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Gerhards,

wir haben 35,21 EUR auf das Konto bei der Sparkasse Bayreuth überwiesen.

Wir haben die Klageforderung inklusive Zinsen ausgeglichen.

Wenn Sie die Klage zurück nehmen oder den Rechtsstreit für erledigt erklären, tragen wir verbrauchte Gerichtskosten und die bisherigen Anwaltskosten.

Der Abrechnungsbetrag setzt sich zusammen aus:

Klagbetrag einschl. Zinsen                                 35,21 EUR
Summe                                                               35,21 EUR
Gesamtbetrag                                                    35,21 EUR

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Norbert Rollinger                              Hans-Christian Marschler

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16 Kommentare zu Kasko-Schadenmanagement der R+V Versicherung – hier Schneidedraht und Klebesatz

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