Amtsrichterin des AG Coburg verurteilt mit überzeugender Begründung die HUK-COBURG Haftpflichtunterstützungskasse zur Zahlung der vorgerichtlich gekürzten Sachverständigenkosten mit Urteil vom 6.8.2014 – 11 C 748/14 -.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

die HUK-COBURG bemüht zur Stützung ihrer Sachverständigenkostenkürzungen häufig Urteile des AG Coburg, die ihre Rechtsansicht bestätigen. Ich bin gespannt, ob in Zukunft die HUK-COBURG auch das nachfolgend veröffentlichte Urteil des “Heimatgerichtes” zitieren wird?  Vermutlich nicht!  Völlig korrekt und unter Bezugnahme auf das grundlegende Sachverständigenkostenurteil des BGH vom 11.2.2014 – VI ZR 225/13 – hat die zuständige Amtsrichterin die HUK-COBURG Haftpflichtunterstützungskasse kraftfahrender Beamter a.G. in Coburg zur Zahlung der vorgerichtlich gekürzten Sachverständigenkosten verurteilt. Das Urteil verdient Respekt. Lest daher das völlig korrekte Schmankerl-Urteil aus der “Höhle des Löwen” gegen die HUK-COBURG, bei dem die vollständigen Sachverständigenkosten – ohne wenn und aber – zugesprochen wurden, und gebt anschließend Eure Kommentare ab.

Viele Grüße
Willi Wacker

Amtsgericht Coburg

Az.: 11 C 748/14

IM NAMEN DES VOLKES

In dem Rechtsstreit

- Klägerin -

gegen

HUK-COBURG Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a. G. in Coburg, vertreten durch d. Vorstand Dr. Wolfgang Weiler u.a., Bahnhofsplatz, 96444 Coburg

- Beklagte -

wegen Schadensersatz

erlässt das Amtsgericht Coburg durch die Richterin am Amtsgericht … am 06.08.2014 auf Grund des Sachstands vom 06.08.2014 ohne mündliche Verhandlung gemäß § 495a ZPO folgendes

Endurteil

1. Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 104,09 € nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit 08.04.2014 zu bezahlen.

2. Die Beklagte hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Beschluss

Der Streitwert wird auf 104,09 € festgesetzt.

(abgekürzt nach § 313a Abs. 1 ZPO)

Entscheidungsgründe

Gemäß § 495a ZPO bestimmt das Gericht das Verfahren nach billigem Ermessen. Innerhalb dieses Entscheidungsrahmens berücksichtigt das Gericht grundsätzlich den gesamten Akteninhalt.

Die Beklagten streiten um den Ersatz restlicher Sachverständigenkosten auf Grundlage eines Verkehrsunfalls.

Die Klägerin ist Halterin und Eigentümerin des am Unfalltag gefahrenen Pkw Typ Rower 25, amtliches Kennzeichen STL-… . Die Beklagte ist die Haftpflichtversicherung des anderen Unfallbeteiligten. Die Haftung dem Grund nach ist zwischen den Beteiligten unstreitig.

Die Klägerin beauftragte nach dem Unfallereignis das Sachverständigenbüro … mit der Erstellung eines Kfz-Schadensgutachtens. Der Sachverständige ermittelte Netto-Reparaturkosten in Höhe von 1.319,23 €.

Seine Leistung hat der Sachverständige am 14.03.2014 abgerechnet und hierfür 574,92 € brutto verlangt.

Die Beklagte regulierte die Sachverständigenkosten bis auf eine Differenz von 104,09 €.

Die zulässige Klage ist umfänglich begründet.

Aufgrund des Verkehrsunfalls vom xx.03.2014, für den die Beklagte dem Grunde nach unstreitig vollständig eintrittspflichtig ist, steht der Klägerin ein Anspruch auf Erstattung weiterer Sachverständigenkosten in Höhe von 104,09 € gemäß §§ 7 Abs. 1 StVG, 115 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 VVG, 249 ff. BGB gegen die Beklagte zu.

Die mit Rechnung des Sachverständigen vom 14.03.2014 abgerechneten Sachverständigenkosten in Höhe von 574,92 € sind in voller Höhe erstattungsfähig.

I.

Die Klägerin durfte einen Sachverständigen mit der Schätzung der Schadenshöhe an ihrem durch den Unfall beschädigten Pkw beauftragen und kann gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB von der Beklagten als Herstellungsaufwand den Ersatz der objektiv erforderlichen Sachverständigenkosten verlangen (vgl. BGH vom 11.02.2014, VI ZR 225/13 Rand-Nr. 7).

Als erforderlich anzusehen sind dabei diejenigen Aufwendungen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde. Dabei ist bei der Prüfung, ob der Geschädigte den Aufwand zur Schadensbeseitigung in vernünftigen Grenzen gehalten hat, eine subjektbezogene Schadensbetrachtung anzustellen, das heißt Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnisse und Einflussmöglichkeiten sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen.

Der Geschädigte genügt seiner Darlegungslast zur Schadenshöhe regelmäßig durch die Vorlage einer Rechnung des von ihm zur Schadensbeseitigung in Anspruch genommenen Sachverständigen. Die tatsächliche Rechnungshöhe bildet dabei gemäß § 287 ZPO ein wesentliches Indiz für die Bestimmung des zur Herstellung erforderlichen Betrages im Sinne des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB. Etwas anderes gilt nur dann, wenn für den Geschädigten deutlich erkennbar ein erheblich über den üblichen Preisen liegende Honorarsatz angesetzt wurde und dies für den Geschädigten erkennbar war. Wissensstand und Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten spielen mithin bereits bei der Prüfung der Erforderlichkeit des Schadensaufwandes eine maßgebende Rolle. Dabei ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass der Geschädigte zu Marktrecherchen nicht verpflichtet ist (BGH aaO, LG Stuttgart v. 16.07.2014,13 S 54/14).

II.

Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze sind der Klägerin die restlichen Sachverständigenkosten in Höhe von 104,09 € zu erstatten, denn hierüber hat der eingeschaltete Sachverständige eine Rechnung erstellt und der Beklagten ist es nicht gelungen, darzulegen, dass die Klägerin gegen ihre Schadensminderungspflicht verstoßen hat.

Der Sachverständige stellt insgesamt 574,92 € in Rechnung, bestehend aus einem Grundhonorar und diverser Nebenkosten.

Der Klägerin war es insofern auch nicht anhand des von der Beklagten als Anlage 1 vorgelegten Tableau über Sachverständigenkosten möglich zu erkennen, dass dieser Betrag überhöht sein könnte.

Bei dem abgerechneten Brutto-Rechnungsbetrag von 574,92 € ist dem Honorartableau der Beklagten zu entnehmen, dass ein solcher bei einer Schadenshöhe bis 3.000,00 € angemessen sein soll.

Dies allein genügt jedoch nicht, einen Verstoß der Klägerin gegen ihre Schadensminderungspflicht festzustellen, denn die Klägerin hat keine Maßnahmen unterlassen, die ein ordentlicher und verständig denkender Mensch zur Schadensminderung ergriffen hätte. Die Klägerin ist nicht gehalten, das von der Beklagten selbst entwickelte Tableau zur Angemessenheit von Sachverständigenkosten zur Grundlage ihrer Beauftragung zu machen. Dies mag ein Indiz für die Angemessenheit des Sachverständigenhonorars sein, jedoch gibt es noch eine Vielzahl von weiteren Indizien. Unter anderem muss sich der abgerechnete Aufwand auch, wie vorliegend, in einem vertretbaren Verhältnis zur Schadenshöhe bewegen (Palandt/Grünberg, § 249 BGB, Rand Nr. 58). Das abgerechnete Sachverständigenhonorar beträgt 43 % des Schadensbetrages. Es mag zwar am oberen Rand des Erstattungsfähigen sein, jedoch geht das Gericht noch gerade davon aus, dass aus Sicht des Geschädigten das Verhältnis zwischen Schadenshöhe und Sachverständigenkosten gewahrt ist.

Denn auch unter Hinzuziehung der BSVK-Honorarbefragung kann -unabhängig von der Frage, dass der Geschädigte die BSVK-Honorarbefragung nicht kennen musste- eine evidente Überschreitung nicht erkannt werden.

Das abgerechnete Grundhonorar des Sachverständigen liegt 15 % über dem arithmetischen Mittel zwischen HB II und HB IV der BSVK-Honorarbefragung 2013 für den entsprechenden Netto-Schaden.

Das Gericht nimmt eine evidente Überschreitung jedenfalls dann nicht an, wenn die Gutachtenkosten die BSVK-Honorarbefragung nicht mehr als 25 % überschreiten.

Darüber hinaus ist es dem Kläger nicht abzuverlangen, dass eine Honorarrecherche betreibt, um einen Sachverständigen zu finden, der bereit ist, auf Grundlage der von der Beklagten als angemessen angesehenen Honorarbeträge ein Gutachten zu erstellen (vgl. hierzu BGH aaO, Rn. 10). Bei dem von der Beklagten aufgestellten Honorartableau mag es sich um eine arbeitsinterne Vorgabe handeln, die jedoch keinesfalls allgemein verbindlich ist und bei der Bestimmung des angemessenen Sachverständigenhonorars im Einzelfall vom Geschädigten – bei der Beauftragung des Sachverständigen bzw. von diesem – bei der Abrechnung – verbindlich zugrunde zu legen wären.

Die Verurteilung zur Zahlung der Nebenforderung gründet sich auf §§ 280 Abs. 2, 286, 288 BGB.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit hat ihre Rechtsgrundlage in den §§ 708 Nr. 11, 713 ZPO.

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

HUK Coburg so richtig im Stress nach Klagezustellung an den Versicherungsnehmer der HUK – als Folge rechtswidriger Schadensersatzkürzung durch die HUK bei der fiktiven Abrechnung

Am 28.08.2014 hatten wir hier über die Reaktion der HUK berichtet, wenn man deren Versicherungsnehmer außergerichtlich auf Kürzungen von berechtigten Schadenspositionen in Anspruch nimmt. In der dort gegenständlichen Sache hatte die HUK mit “dicken Backen” die Eskalationsstufe hochgefahren. “Geschwätz” und Tun sind aber meist eine andere Sache.

Hier nun eine Episode bei der – nach den dicken Backen der HUK – Klage gegen den VN eingereicht wurde. Nach einer rechtswidrigen Kürzung der HUK bei der fiktiven Abrechnung (“Prüfbericht” der DEKRA) aus einem Schaden vom 18.01.2014 hatte der im Juni 2014 beauftragte Rechtsanwalt (Kanzlei Lothar Schriewer in Düsseldorf) am 21.07.2014 das Klageverfahren gegen den VN der HUK aufgenommen. Der Anwalt hatte einfach die Nase voll, sich weiter mit der HUK auseinanderzusetzen. Zugestellt wurde die Klageschrift dem VN wohl am 14.08.2014. Ca. eine Woche später, also am Freitag, den 22.08.2014 teilte der Anwalt per Fax um 12:55 der HUK folgendes mit:

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Amtsrichterin des AG Limburg wirft HUK-COBURG unzulässige Rechtsausübung vor und verurteilt sie zur Zahlung restlicher Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht mit lesenswertem Urteil vom 28.8.2014 – 4 C 1008/14(15) -.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

nachfolgend geben wir Euch ein interessantes Urteil der Amtsrichterin des AG Limburg gegen die HUK-COBURG Allgemeine Versicherung AG bekannt. Vorgerichtlich hatte die HUK-COBURG Allg. Vers. AG auf die abgetretenen Sachverständigenkosten einen Teilbetrag gezahlt und im Prozess die Aktivlegitimation bestritten. Dieses gegen § 242 BGB verstoßende Spielchen der HUK-COBURG war bereits bekannt. Die zuständige Amtsrichterin hat der beklagten HUK-COBURG jetzt jedoch mit klaren und eindringlichen Worten einmal die Leviten gelesen. Das Gericht hält – zu Recht – das Bestreiten der Ativlegitimation im Prozess als eine unzulässige Rechtsausübung, wenn vorgerichtlich auf die jetzt im Prozess bestrittene Abtretungsvereinbarung freiwillig gezahlt wurde. Klare Worte, finden wir. Im Übrigen dürfte durch das vorgerichtliche Zahlen bereits ein Anerkenntnis erfolgt sein. Folgerichtig hat die zuständige Amtsrichterin die restlichen Sachverständigenkosten zugesprochen. Für 86,74 € ist durch die HUK-COBURG wieder ein unsinniger Rechtsstreit geführt und Versichertengelder vergeudet worden. Lest selbst das Urteil und gebt bitte Eure Kommentare ab. 

Mit freundlichen Grüßen
Willi Wacker

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AG Hamburg-Barmbek urteilt zur Haftungsfrage bei einem Unfall beim Einfahren in den Kreisverkehr (AG HH-Barmbek Urteil vom 11.4.2014 – 815 C 248/12 -)

Hallo verehrte Captain-Huk-Lesser,

hier geben wir Euch ein Urteil des AG Hamburg-Barmbek zur Haftungsfrage bei einem Verkehrsunfall im Kreisverkehr bekannt. Dabei ging es insbesondere um den Anscheinsbeweis. Wenn es bei der Einfahrt aus einer untergeordneten Straße in eine Einmündung oder Kreuzung mit der vorfahrtsberechtigten Straße zu einem Unfall kommt, spricht zunächst der Beweis des ersten Abscheins gegen den einfahrenden Fahrzeugführer. Dies gilt auch bei der Einfahrt in den Kreisverkehr, wenn an der Einfahrt die Verkehrszeichen “Kreisverkehr” und “Vorfahrt achten” aufgestellt sind. Typisch für die beklagte Kfz-Haftpflichtversicherung war wieder, dass ins Blaue hinein einfach behauptet wurde, es lägen Vorschäden vor, obwohl sich diese Behauptung nicht bewahrheitete. Die Anwälte der Kfz-Haftpflichtversicherungen werden daher an ihre Wahrheitspflicht erinnert. Die vorgerichtliche Zahlungsverweigerung kommt die eintrittspflichtige Kfz-Haftpflichtversicherung in diesem Fall teuer zu stehen, denn mit dem gesamten Schaden hat sie auch aus dem Unfall resultierende spätere Schäden sowie den gesamten nicht regulierten Schaden nebst Zinsen und Gerichts- und Anwaltskosten zu tragen. Wieder einmal ein Fall von Versichertengeldvergeudung, wie wir meinen. Lest selbst das Urteil und gebt bitte Eure Kommentare ab.    

Viele Grüße
Willi Wacker

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Versicherungsombudsmann-Jahresbericht 2013 (Pressemitteilung vom 21. Mai 2014)

Obwohl die Beschwerden beim V-Ombudsmann gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 8,6 %  verzeichneten, kann Herr  Prof. Dr. Günter Hirsch keine Anzeichen erkennen:

….., dass die Bereitschaft zur einvernehmlichen Streitbeilegung abgenommen und sich das Regulierungsverhalten verschlechtert hatte.

Mit den größten Anstieg  + 14,3 % verzeichnete der V-Ombudsmann bei der Kfz-Kasko-Versicherung.

Der Versicherungsombudsmann stellt seinen Jahresbericht 2013 vor

Der Ombudsmann für Versicherungen, Prof. Dr. Günter Hirsch, ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofs (BGH), hat am 21. Mai 2014 in Berlin seinen Jahresbericht 2013 vorgelegt. Der Bericht kann auf der Homepage eingesehen und heruntergeladen werden.

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AG Heinsberg verurteilt zur Zahlung restlichen Schadensersatzes nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall, allerdings mit unglücklicher Begründung (Urteil des AG Heinsberg vom 13.8.2014 – 19 C 142/14 -).

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

nachfolgend geben wir Euch hier ein Urteil aus Heinsberg zu den Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht gegen die in Dortmund ansässige Haftpflichtversicherung bekannt. Im Ergebnis ist das Urteil zwar zu begrüßen, in der Begründung sind aber nicht nur schadenensersatzrechtliche Gesichtspunkte geprüft worden. So wird zum Beispiel das Honorar an der Angemessenheit geprüft. Schon allein, dass das Gericht zu Beginn der Urteilsbegründung angibt, dass  dem Kläger aus abgetretenem Recht die erhobenen Restwerklohnansprüche gem. §§ 631, 632 BGB zustünden, ist falsch, denn es ging nicht um Restwerklohnforderungen, sondern um Restschadensersatz. Zutreffend hat der erkennende Richter zu Beginn seiner Urteilsbegründung zwar darauf hingewiesen, dass sich mit der Abtretung des (Rest-) Schadensersatzanspruchs an den Sachverständigen der Inhalt und auch nicht das Wesen des Schadensersatzanspruchs verändert. Das Urteil beendet er allerdings dann wieder, dass das Gericht keine durchgreifenden Bedenken an der Angemessenheit der Rechnungshöhe erkennen konnte. Das passt nicht zueinander. Zutreffend sind dann wieder die Ausführungen zum Sachverständigenhonorar bei Totalschäden. Gerade bei Totalschäden ist die Beauftragung eines qualifizierten freien Kfz-Sachverständigen grundsätzlich notwendig. Lest aber selbst das Urteil und gebt bitte Eure Kommentare ab. 

Viele Grüße
Willi Wacker

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Amtsrichterin des AG Stade verurteilt VHV-Versicherung zur Zahlung der Sachverständigenkosten auch bei Schaden von knapp 700,– € mit Urteil vom 15.7.2014 – 61 C 411/14 -.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

zum Wochenbeginn geben wir Euch hier ein Urteil des AG Stade zu den erforderlichen Sachverständigenkosten nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall gegen die VHV Versicherung bekannt. Die Vesicherung meinte, bei einem vom Sachverständigen festgestellten Schaden von knapp eintausend Euro sei es nicht erforderlich gewesen, einen freien Kfz-Sachvertändigen zu beauftragen, da ein eindeutiger Bagatellschaden vorläge. Nach ihrer eigenen Berechnung betrage der Schaden knapp 700,– €.  Und bei diesem Schadensbetrag sei ein Gutachten nicht erforderlich gewesen. Sie könne daher die Gutachterkosten nicht erstatten. Diese Rechtsauffassung ist natürlich falsch. Das hat auch die erkennende Amtsrichterin erkannt. Es kommt nicht auf starre Schadensgrenzbeträge an, sondern  ob der Geschädigte im Zeitpunkt der Beauftragung des Sachverständigen davon ausging, dass ein Gutachten geboten erschien. Im Ergebnis ist das Urteil daher  richtig und auch im wesentlichen richtig begründet. Lest selbst das Urteil aus Niedersachsen und gebt bitte Eure Kommentare bekannt.

Viele Grüße und eine schöne Woche.
Willi Wacker

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Was soll man dazu sagen?

So lautet die Verfügung des AG Hildesheim in einem aktuellen Prozess gegen den Halter des unfallverursachenden Fahrzeuges wegen gekürzter Sachverständigenkosten:

“…… wird Ihnen mitgeteilt, dass Ihre Klage am ………… eingegangen ist.

Der Klägerin wird aufgegeben vorzutragen, wieso sie nicht gegen die Haftpflichtversicherung vorgeht.

Frist: 10 Tage”

Das ist doch nicht zu fassen, oder????

Bundesverfassungsgericht hebt im Schadensersatzprozess das Urteil des Amtsrichters des AG Euskirchen wegen Verstoßes gegen das Willkürverbot auf mit Beschluss vom 28.7.2014 – 1 BvR 1925/13 -.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

passend zu dem Urteil des AG Saarbrücken hat die Redaktion keine Mühen gescheut, auch den im Vorspann zum AG Saarbrücken erwähnten Beschluss des BVerfG. vom 28.7.2014 - 1 BvR 1925/13 – für Euch hier zu veröffentlichen. Zwar passt er nicht eins zu eins. Aber der darin zum Ausdruck kommende Grundgedanke stimmt auch hier. Hier wie beim Urteil des AG Saarbrücken wurde einschlägige Rechtsprechung nicht berücksichtigt. Das Bundesverfassungsgericht sieht darin eine richterliche Willkür, die gegen Art. 3 GG verstößt. Wir hoffen, dass der Saarbrücker Amtsrichter H. sich den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur richterlichen Willkür hinter die Ohren schreibt? Gebt auch hier bitte Eure Kommentare ab.

Viele Grüße zum kommenden Sonntag.                                                                                    Willi Wacker

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Amtsrichter H. der 120. Zivilabteilung des AG Saarbrücken urteilt in Kenntnis des BGH und des OLG Saarbrücken im Rechtsstreit gegen die HUK-COBURG Unterstützungskasse noch zur Nebenkostendeckelung [Urteil vom 8.7.2014 -120 C 234/14 (05)-].

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

das nachfolgend veröffentlichte Urteil des Amtsrichters H. vom AG Saarbrücken war nicht gedacht, um Euch das Wochenende zu vermiesen, sondern als Beispiel dafür, wie ein “selbstherrlicher” Amtsrichter sich bewusst über die BGH-Rechtsprechung und die Rechtsprechung des OLG Saarbrücken hinwegsetzt. Obwohl der BGH mit dem Sachverständigengrundsatz-Urteil vom 11.2.2014 - VI ZR 225/13 -, das mittlerweile in allen gängigen Zeitschriften veröfentlicht ist (BGH DAR 2014,194 = DS 2014, 90 = MDR 2014, 401 = NJW 2014, 1947 = NJW Spezial 2014, 169 = NZV 2014, 255 = VersR 2014, 474), entschieden hat, dass die Nebenkostenbegrenzung gegen geltendes Recht verstößt, und das Saarländische Oberlandesgericht ähnlich entschied, kümmert sich der Amtsrichter  H. der 120. Zivilabteilung des AG Saarbrücken einen “feuchten Kehricht” um die ober- und höchstrichterliche Rechtssprechung. Derartige Rechtsprechung nach “Gutsherrenart” grenzt an Willkür und muss mit allen nur möglichen Rechtsbehelfen und Rechtsmitteln bis hin zur Verfassungsbeschwerde bekämpft werden. Das Bundesverfassungsgericht hat am 28.7.2014 – 1 BvR 1925/13 – ein Urteil des Amtsrichters des AG Euskirchen unter anderem wegen Verstoßes gegen das Willkürverbot aufgehoben. Dort ging es auch darum, dass dem Richter die einschlägige Rechtsprechung erst nach der mündlichen Verhandlung bekannt wurde. Hier wird in Kenntnis der einschlägigen Rechtsprechung offenbar bewußt (vorsätzlich!) gegen diese entschieden. – Dann wurden auch noch die Rechte des Geschädigten dadurch verletzt, dass noch nicht einmal die Berufung zugelassen wurde. Hier dürfte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegen. Ich nehme insoweit Bezug auf die Gehörsrüge des Anwalts der HUK-COBURG gegen das Urteil des LG Darmstadt vom 25.6.2014 – 21 S 191/12 -. Wir berichteten darüber.  Wenn es nicht so ärgerlich wäre, könnte man darüber lachen. Die Redaktion hat einige Zeit überlegen müssen, ob das (lächerliche) Urteil doch veröffentlicht werden sollte oder nicht. Trotz einiger Bedenken hat sich die Redaktion zur Veröffentlichung entschieden. Lest selbst und gebt bitte Eure Kommentare ab. Mensch, ärgert Euch nicht!

Viele Grüße und ein schönes Wochenende.
Willi Wacker

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